{"id":1873,"date":"2019-01-18T11:27:00","date_gmt":"2019-01-18T11:27:00","guid":{"rendered":"https:\/\/loh.de\/ein-drink-im-homeoffice-kann-gefaehrlich-sein\/"},"modified":"2020-01-31T13:56:14","modified_gmt":"2020-01-31T13:56:14","slug":"ein-drink-im-homeoffice-kann-gefaehrlich-sein","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/loh.de\/en\/ein-drink-im-homeoffice-kann-gefaehrlich-sein\/","title":{"rendered":"Ein Drink im Homeoffice kann gef\u00e4hrlich sein"},"content":{"rendered":"\n<p>Die Arbeitswelt 4.0 ver\u00e4ndert unser aller Leben. W\u00e4hrend Desk-Sharing und Co-Working-Spaces noch in den Kinderschuhen stecken, h\u00e4lt das Homeoffice immer st\u00e4rker Einzug in den Arbeitsalltag. Bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf, gr\u00f6\u00dfere Flexibilit\u00e4t und ein hohes Ma\u00df an Selbstbestimmung sind unbestreitbare Vorteile der Arbeit im Homeoffice. Die Nachfrage ist gro\u00df und hat nunmehr die ersten Politiker veranlasst, \u00fcber eine Gesetzesinitiative f\u00fcr einen Anspruch auf Homeoffice nachzudenken. Den wenigsten Arbeitnehmern d\u00fcrfte aber bewusst sein, dass die Arbeit im Homeoffice nach der derzeitigen Rechtslage zu einem deutlich geringeren Schutz in der gesetzlichen Unfallversicherung f\u00fchrt.<\/p>\n\n\n\n<p>Verletzt sich ein Arbeitnehmer in den betrieblichen R\u00e4umen des Arbeitgebers oder auf dem direkten Weg zwischen Wohnung und Arbeitsst\u00e4tte, handelt es sich regelm\u00e4\u00dfig um einen Arbeitsunfall, dessen Folgen von der gesetzlichen Unfallversicherung gedeckt sind. Im Homeoffice gilt das nicht zwingend. So hat das Bundessozialgericht schon am 5. Juli 2016 (Az. B 2 U 5\/15 R) entschieden, dass eine Arbeitnehmerin, die ihren Homeoffice-Arbeitsplatz in der oberen Etage des eigenen Wohnhauses verlassen hatte, um sich aus der einen Stock tiefer gelegenen K\u00fcche etwas zu trinken zu holen, auf dem Weg dorthin auf der Treppe ausrutschte und sich erhebliche Verletzungen zuzog, keinen Unfallversicherungsschutz hatte. Es handele sich nicht um einen Arbeitsunfall. Das Hinabsteigen der Treppe habe nicht in einem sachlichen Zusammenhang zur versicherten T\u00e4tigkeit gestanden. Die Arbeitnehmerin habe im Unfallzeitpunkt weder ihre Besch\u00e4ftigung ausge\u00fcbt noch habe sie im Zusammenhang mit dieser einen Betriebsweg zur\u00fcckgelegt. Vielmehr habe sie sich auf einem nichtversicherten Weg zum Ort der Nahrungsaufnahme befunden.<\/p>\n\n\n\n<p>Unproblematisch zustimmen kann man dem Bundesozialgericht sicher darin, dass die Unterbrechung der Arbeit f\u00fcr eine Trinkpause keine Erf\u00fcllung arbeitsvertraglicher Pflichten darstellt und sich der Unfall deshalb nicht in Aus\u00fcbung der versicherten Besch\u00e4ftigung ereignete.<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr viele \u00fcberraschend war die Entscheidung deshalb, weil das Bundessozialgericht auch einen Wegeunfall ablehnte. Zu den Betriebswegen z\u00e4hlt jeder Weg nach und von dem Ort der T\u00e4tigkeit. Dazu z\u00e4hlen nicht nur die Hin- und R\u00fcckfahrt zum und vom Betrieb nach Hause, sondern auch Wege im und au\u00dferhalb des Betriebs w\u00e4hrend einer Pause, um sich etwas zu essen oder trinken zu holen, die Toilette auszusuchen o.\u00e4.. Das Bundessozialgericht zieht dabei aber eine deutliche Grenze zwischen dem h\u00e4uslichen Bereich und dem versicherten Betriebsweg. Der Betriebsweg beginne grunds\u00e4tzlich erst mit dem Durchschreiten der Au\u00dfent\u00fcr des Wohngeb\u00e4udes. Diese Grenze sei im Interesse der Rechtssicherheit bewusst starr gezogen, weil sie an objektive Merkmale ankn\u00fcpfe, die im Allgemeinen leicht feststellbar seien. Im Homeoffice k\u00f6nne ein Betriebsweg innerhalb des eigenen h\u00e4uslichen Bereichs daher nur dann versichert sein, wenn der Besch\u00e4ftigte diesen im unmittelbaren betrieblichen und nicht im eigenen wirtschaftlichen Interesse zur\u00fcckgelegt habe. H\u00e4tte die Arbeitnehmerin also nicht den Arbeitsplatz verlassen, um etwas zu trinken, sondern um beispielsweise ein Arbeitsmittel aus dem unteren Stockwerk zu holen, w\u00e4re sie versichert gewesen, da sie dann in Aus\u00fcbung ihrer T\u00e4tigkeit f\u00fcr den Arbeitgeber gehandelt h\u00e4tte.<\/p>\n\n\n\n<p>So verst\u00e4ndlich das Interesse der Arbeitnehmer daran ist, w\u00e4hrend des ganzen Arbeitstages Versicherungsschutz zu genie\u00dfen \u2013 und zwar auch im Homeoffice und w\u00e4hrend einer Trinkpause, so nachvollziehbar sind aber auch die Bedenken des Bundessozialgerichts zur Abgrenzung zwischen einem rein h\u00e4uslichen, nicht gesetzlich versicherten Unfall und einem Arbeitsunfall. Denn das Homeoffice zeichnet sich ja gerade dadurch aus, dass der Arbeitnehmer den Arbeitstag jederzeit unterbrechen kann und darf, um sich privaten T\u00e4tigkeiten wie z.B. der Kinderbetreuung, dem Einkauf oder dem Haushalt zu widmen. W\u00e4re jede dieser T\u00e4tigkeiten versichert, solange sich der Unfall nur zwischen der ersten Arbeitsaufnahme am Morgen und der letzten beruflichen T\u00e4tigkeit am Abend ereignete, so w\u00e4re das sicher zu weitgehend.<\/p>\n\n\n\n<p>Aber was k\u00f6nnten taugliche Abgrenzungskriterien sein? Etwa die Dauer der Unterbrechung? Wohl eher nicht. Denn die Idee des Homeoffice w\u00e4re konterkariert, wenn der Arbeitnehmer immer mit der Stoppuhr \u00fcberwachen m\u00fcsste, wie lange er die Arbeit unterbricht. Und wie w\u00e4re der Fall zu beurteilen, wenn sich der Unfall gleich zu Beginn der Unterbrechung ereignete, die Unterbrechung aber f\u00fcr mehrere Stunden geplant war. Auch die Art der T\u00e4tigkeit, f\u00fcr die der Arbeitnehmer seine berufliche T\u00e4tigkeit unterbricht, erscheint kein praktikables Abgrenzungskriterium. Denn wer soll entscheiden, welche Aktivit\u00e4ten privilegiert sind \u2013 d.h. den Versicherungsschutz nicht unterbrechen \u2013 und welche nicht?<\/p>\n\n\n\n<p>Solange weder Rechtsprechung noch Gesetzgeber sinnvollere Abgrenzungsm\u00f6glichkeiten finden, bleibt es dabei, dass im Homeoffice letztlich nur die berufliche T\u00e4tigkeit selbst bzw. alle Wege im Homeoffice, die im Rahmen der beruflichen T\u00e4tigkeit zur\u00fcckgelegt werden, versichert sind und jede Unterbrechung der beruflichen T\u00e4tigkeit f\u00fcr eine private Handlung auch den Versicherungsschutz unterbricht. Dass dabei dem Missbrauch T\u00fcr und Tor ge\u00f6ffnet ist, liegt auf der Hand. Denn diese Abgrenzung f\u00fchrt dazu, dass der unredliche, informierte Arbeitnehmer immer behaupten kann, aus beruflichen Gr\u00fcnden den Arbeitspatz verlassen zu haben. Damit es dazu gar nicht erst kommt, ist allen Arbeitnehmern im Homeoffice zu empfehlen, vorsorglich eine private Unfallversicherung abzuschlie\u00dfen. Arbeitgeber sollten in der Vereinbarung mit dem Arbeitnehmer zum Homeoffice auf das Risiko hinweisen, sind dazu aber wohl nicht verpflichtet.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Arbeitswelt 4.0 ver\u00e4ndert unser aller Leben. 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